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Reform der öffentlichen Verwaltung in Tschechien
Die Geschichte der Hausnummern in Böhmen und Mähren
Menschen haben heute oft eine Vielzahl von Adressen: eine Wohnadresse, eine Büroadresse, eine Internetadresse, eine oder mehrere E-Mail-Adressen. Vor gar nicht allzu langer Zeit jedoch gab es noch nicht einmal Straßennamen oder Hausnummern. Wie ist sie eigentlich entstanden, die Adresse? Seit wann gibt es auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik Hausnummern, und von wem und warum wurden sie eingeführt?
Hausnummern sind eigentlich ein großes Projekt des 18. Jahrhunderts. Speziell was die Habsburgermonarchie, Wien und natürlich auch Prag betrifft, sind die Hausnummern in den Jahren 1770/1771 eingeführt worden.
Man hat die Hausnummern nicht etwa eingeführt, um besonders zuvorkommend gegenüber Fremden oder gegenüber der einheimischen Bevölkerung zu sein, sondern vor allem aus militärischen Gründen. Man wollte ein neues Rekrutierungssystem installieren, und in diesem Zusammenhang hat man die Hausnummern gebraucht, um durch die Rekrutierungsoffiziere besser auf die Männer zugreifen zu können.
Als die Hausnummern eingeführt wurden, wurde gleichzeitig eine so genannte Seelenkonskription durchgeführt. Man kann sich das so vorstellen, dass Kommissionen von zirka fünf Männern durch die Dörfer und Ortschaften der Monarchie gezogen sind, also durch Böhmen, Mähren, aber auch durch Österreich, und in den einzelnen Häusern die darin lebenden Menschen gefragt haben, wie sie heißen und wie alt sie sind. Das wurde dann in Tabellen eingetragen, und zugleich wurde auf jedes Haus eine Nummer gemalt.
Es gab große Befürchtungen vonseiten der Behörden, dass die Hausnummerierung, die wie gesagt aus militärischen Gründen durchgeführt wurde, auf Widerstand stoßen könnte. Tatsächlich gibt es in Böhmen und Mähren vereinzelt Städte, in denen es Widerstand gab. Zum Beispiel in Litomyšl / Leitomischl wurden einmal über Nacht gleich mehrere Hausnummern - wie es heißt - „mit einem eisernen Zeug ausgekratzt". Man hat versucht, die Übeltäter zu finden, aber sie wurden nicht ausgeforscht. In Mähren, in Jihlava / Iglau, wurde sogar die Nummer 1 „mit Unflat beworfen". Auch da wurde am Tag danach die Bevölkerung zusammengetrommelt, und es wurde eine Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der die Übeltäter denunziert. Aber es wurde niemand ausfindig gemacht, der die Nummer verunstaltet hat.
Zu diesem Thema gibt es zwei Bücher von Anton Tantner:
„Die Hausnummer. Eine Geschichte von Ordnung und Unordnung", Jonas Verlag, 2007
„Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen", Studien Verlag, 2008
Eine Galerie der Hausnummern und vieles mehr unter <http://tantner.net/>
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